"Und meine größte Freude: Mitte Juni bin ich zum ersten Mal wieder mit dem Fahrrad gefahren."

Beinbruch extrem -Therapie für Knochen und Seele

Thomas (29) wird bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Bei einem Frontalzusammenstoß wird er in seinem Auto eingeklemmt und bemerkt gleich, dass sein Oberschenkel gebrochen ist. Am nächsten Tag im Krankenhaus erkennt er erst das ganze Ausmaß seiner Verletzungen. 

 

Am 28. Dezember 2017 bin ich bei einem schweren Verkehrsunfall mit ca. 70 km/h frontal mit dem Gegenverkehr zusammen gestoßen. Zuerst hatte ich einen riesen Schock und habe von meinen schweren Verletzungen noch nichts mitbekommen. Auf einmal wurde mir klar, dass beide Beine komplett eingeklemmt und mein Oberschenkel gebrochen waren. Als der Notarzt eintraf, gab er mir gleich ein starkes Schmerzmittel. Es dauerte dann eine Stunde bis ich aus dem Auto geborgen werden konnte, dann wurde ich sofort ins LKH Vöcklabruck gebracht und notoperiert.

 

Erst am nächsten Morgen realisierte ich, was eigentlich passiert war. Der Primar erklärte mir alles: Beim rechten Fuß hatte ich mir „nur“ das Sprunggelenk gebrochen. Den linken Fuß hatte es schwer erwischt:  Oberschenkel, Mittelfußknochen, Sprunggelenk, Innen- und Außenknöchel und die Fußwurzelknochen waren gebrochen. Im Oberschenkel wurde mir vom Knie bis zur Hüfte ein Marknagel  eingesetzt und auch der Fuß wurde mit zwei Schrauben versehen. Meine beiden Beine waren bis unters Knie eingegipst. Es war ein richtiger Schock für mich!

 

Die ersten drei Tage waren wirklich schwer: Ich durfte nicht aufstehen und hatte sehr starke Schmerzen. Dank der guten Versorgung im Krankenhaus wurde ich eine Woche lang auch psychologisch betreut. Das war wirklich eine schwere Zeit, ich würde sagen: es waren die schlimmsten Tage meines Lebens.

 

Bereits fünf Tage nach meinem Unfall haben wir mit der Physiotherapie im Krankenhaus begonnen. Den rechten Fuß durfte ich voll belasten, da dort nur das Gelenk gebrochen war. Die erste Übung bestand nur darin aufzustehen: Leichter gesagt als getan! Ich hatte große Schmerzen und Probleme mit dem Kreislauf. Am nächsten Tag habe ich es zumindest schon in den Rollstuhl geschafft, aber das war noch ein großer Kampf. Ich bin nur aufgestanden, wenn es unbedingt sein musste. In der Physiotherapie ging es dann ans üben und trainieren: besonders auch Krafttraining für den Oberkörper war zu diesem Zeitpunkt wichtig.

 

Ab 8. Jänner wurde mit Lymphdrainage und leichter Stromtherapie am verletzten Oberschenkel begonnen. Das tat mir sehr gut, weil das Blut endlich wieder richtig zirkulieren konnte. Weil mein Oberschenkelmuskel beim Knochenbruch extrem verspannte und verletzt wurde, war auch mein Knie nicht mehr richtig funktionsfähig. Ich bekam deshalb eine Motorschiene, um das Knie immer wieder zu bewegen. Zu Beginn konnte ich mein Knie jedoch nur 40 Grad abwinkeln.

Noch in derselben Woche haben mir die Therapeuten geholfen, mich mit dem Rollator anzufreunden um ein paar Schritte gehen zu können. Das war extrem schwer mit zwei Gipsbeinen. Aber ich trainierte fleißig und so ging es von Tag zu Tag besser.

 

Ein paar Tage später wurde der Gips am rechten Bein in einen „Gehgips“ getauscht. Dann lernte ich mit Krücken zu gehen, was am Anfang ohne fremde Hilfe gar nicht möglich war. Mit viel Training wurde es aber immer leichter.

Am 15. Jänner - 18 Tage nach meinem Unfall - durfte ich das Krankhaus verlassen. Eine Physiotherapeutin ist dann für Behandlungen zu mir nach Hause gekommen, mit dem Ziel die noch immer vorhandenen Schwellungen zu verringern.

 

Am 7. Februar wurden schließlich die Gipse an beiden Beinen entfernt. Das klingt vielleicht komisch, aber das war für mich ein herber Rückschlag. Ich konnte meine beiden Fußgelenke überhaupt nicht mehr bewegen und hatte große Schmerzen. Meine Unter- und Oberschenkelmuskulatur war quasi nicht mehr vorhanden und ich musste das Aufstehen und gehen neu lernen. Das Gehen mit Krücken und Stiegen steigen war nicht mehr möglich, da ich bei Belastung zu starke Schmerzen hatte. Lediglich mit dem Rollator konnte ich auf ebenem Grund gehen. Jedes kleine Hindernis war aber gleich ein riesiges Problem für mich. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Rollstuhl mein bester Freund.

 

Nach der Gipsentfernung verbrachte ich einen Monat auf Reha in St. Georgen. Ich hatte von Montag bis Samstag verschiedenste therapeutische Behandlungen und auch einmal in der Woche eine ärztliche Untersuchung. Unter anderem bekam ich am rechten Oberschenkel Stromtherapie zum Muskelaufbau, Ergometer-Training, Unterwassertherapie, Lymphdrainage, Krafttraining, Bewegungstherapie usw.

Nach der Reha konnte ich mich endlich von meinen zwei Freunden dem Rollator und dem Rollstuhl verabschieden und ich kam überall mit Krücken hin. Kurze Wege schaffte ich dann auch schon mit nur einer Krücke.

 

In den nächsten Wochen hatte ich zwei Mal pro Woche Physiotherapie - das hat mir noch sehr geholfen. Unser Ziel war es, den Muskelaufbau voranzutreiben und die Motorik zu verbessern. Mit Erfolg: Ende April konnte ich endlich die Krücken in den Keller räumen und Anfang Mai konnte ich wieder zurück zur Arbeit. Und meine größte Freude: Mitte Juni bin ich zum ersten Mal wieder mit dem Fahrrad gefahren. Es war einfach ein tolles Gefühl, wenn man daran denkt, dass man 5 Monate vorher noch im Rollstuhl gesessen ist.

Natürlich bin ich noch nicht da wo ich mal war, aber das Ziel ist nicht mehr weit entfernt. Dank Reha und Physiotherapie hat sich mein Heilungsverlauf sehr gut entwickelt. Die Therapie hat mir dabei nicht nur physisch geholfen, indirekt wurde ich auch in der psychischen Aufarbeitung sehr unterstützt.